Weihnachten vor der Tür…

Na, und was geschieht jetzt?
Seit drei Wochen etwa sind wir zurück in der Schweiz und geniessen wieder unsere Wohnung, die Familie und Freunde. Natürlich steht auch bei uns Weihnachten vor der Tür und wir freuen uns auf den Besuch unserer Kinder und Grosskinder.

Letzten Montag hielt ich eine Abdankungsfeier von einem ehemaligen Gemeindeglied in Würenlos. Die ganze Vorbereitung und Durchführung fühlte sich so anders an, als früher. Damals als Pastor war eine Beerdigung eine grosse Herausforderung, weil diese eine zusätzliche Belastung war. Das ganze Gemeindeprogramm mit Gottesdiensten, Sitzungen, Gesprächen etc. war voll da und zusätzlich mussten noch Gespräche mit den Angehörigen, dem Bestattungsamt, involvierten Musikern geführt werden. Jetzt ist das anders. Ich kann mich voll auf diese Beerdigung konzentrieren. Ich habe Zeit. Nehme den Zug nach Würenlos und bin absolut nicht mehr im Stress. Das hat so gut getan.

Unsere vergangene Reise ist uns immer noch sehr present. Wir haben Kontakt mit Menschen, die wir getroffen haben. Und ich versuche, all die Filmschnipsel, die ich mitgebracht habe zu einzelnen Filmen zu verarbeiten. Zum Beispiel unser Ausflug im Oktober nach Sydney: Hier geht es zum Video!

Kambodscha: 13.-19. September 2017: Phnom Penh – eine aufstrebende, lebendige Metropole

Nun sind wir also in PP in einem sehr schönen Hotel hinter der riesigen Vietnamesischen Botschaft angekommen. Wie freuen wir uns darauf, unseren Neffen Chris mit seiner Familie wieder zu sehen. Der kleine Theo feiert eben gerade seinen 10 monatigen Geburtstag. Chris & Mary arbeiten hier als „Working Missionaries“ in zwei ganz interessanten Projekten, die ich euch hier gerne vorstelle. „PhnomClimb“ ist die erste Kletterhalle in Kambodscha. Mary, die Newyorkerin, war eine begeisterte Kletterin und hat hier mit ihrem Mann ihren Traum erfüllt. Ihr Anliegen besteht darin, die jungen Leute von PP für diese Sportart zu gewinnen. Hier geht es um gegenseitige Unterstützung, Ermutigung und Vertrauen. Dies sind Skills, welche für die Bevölkerung, welche in den letzten Jahrzehnten durch grosse Herausforderungen gegangen ist, enorm wichtig sind
Das zweite Betätigungsfeld der beiden ist „WebEssentials„. Dies ist eine Firma, welche junge Kambodschaner ausbildet und hochwertige Softwarelösungen für westliche Firmen herstellt.
Wir sind beeindruckt über das Engagement und die Art, wie Chris und Mary die Anliegen von Jesus in Kambodscha umsetzen. Es ist etwas Besonderes, dass sie sich während unseres Aufenthaltes Zeit nehmen für uns und wir so wertvolle Qualitytime miteinander verbringen können. Sie führen uns mit TukTuks, FahrradRishkas an die interessanten Spots in PP. Sie machen Begegnungen mit spannenden Menschen möglich und teilen ihre Freuden und Sorgen mit uns. Dazu geniessen wir ihren herzigen Sohn!
Was hier in dieser Stadt unbedingt dazu gehört, sind die „KillingFields“ und das Gefängnis Toul Sleng (S-21) der schrecklichen Zeit der Roten Khmer von 1975-79. Wir beschränken uns auf eine Führung im Gefängnis S-21. Dies war das geheime Zentrum eines Netzwerkes von mehr als 200 Gefängnissen. Dort wurden Insassen von den Roten Khmer gefoltert. In diesen Gefängnissen waren 12000 – 20000 Menschen eingekerkert. Wir wissen nur von 12 Überlebenden.

Wie aber geht es der Kambodschanischen Bevölkerung heute? In diesen Tagen hier in PP haben wir mitbekommen, dass die politische Opposition gerade aus dem Parlament verbannt und der leitende Oppositionspolitiker gefangen genommen wurde. Keine Opposition! Kann das gut gehen? Welche Reaktionen gibt es hier dazu?
Unseren Kambodschabesuch lassen wir mit einer Tanz-Vorstellung von „Cambodia Living Arts“ im National Museum ausklingen. Traditionelle Musik und Tanz müssen in diesem Land wieder entdeckt und gelernt werden, weil nach der Khmer Rouge Regierung alles am Boden lag.
Dankbar und mit einigen neuen Gebetsanliegen in unseren Herzen verlassen wir dieses kostbare Land und die geliebten Menschen und beschliessen somit diese einzigartige 3 monatige Reise.

Kep – verweilen in einer pitoresken Umgebung

Unsere nächste Station ist ganz im Süden Kambodschas das Örtchen Kep. Es ist bloss etwa 30 Kilometer von der vietnamesischen Grenze entfernt. Kep ist die Traumdestination für Seafoodliebhaber. Das Mekka für Krebsgeniesser! Und der Crabmarket liegt gleich über der Strasse unserer wunderschönen Unterkunft „Mealea Resort“ mit seinem französischen Patron Olivier. Wir werden mit Charme, Zuvorkommenheit und Bescheidenheit der einheimischen Khmer bewirtet. Die verschiedenen Beizlein vis-à-vis, direkt am Meer verwöhnen uns mit ihren Kostbarkeiten. Am besten fand ich die gegrillten, geschälten Tigerprawns an der grünen Pfeffersauce im „Holy Crab“. Apropos Pfeffersauce: wir besuchen auf unserer Tagestour nebst den Salinen, den Reisfeldern und den Fischersiedlungen auch die Pfefferplantage Sothi’s. Hier erklärt uns der 84jährige Besitzer aus Hamburg die Herstellung der drei Pfefferarten grün, schwarz und rot. Kampotpfeffer erhielt 2015 den Award für den besten Pfeffer der Welt. Einst war diese Gegend führend in der Pfefferproduktion. Es konnte tonnenweise Pfeffer geerntet und verschifft werden. Während des Regimes der Roten Khmer wurde alles zerstört und nun ist man dabei, wieder aufzubauen. Sehr beeindruckend und wertvoll zu besuchen.
Eine besondere Überraschung ist für mich die Schwalbennesterproduktion. Wir fahren zu einem etwa zwanzig Meter hohen Betongebäude, welches gut abgesichert ist. Oben hat es eine kleine Öffnung in welche Schwalben rein und rausfliegen. Hier werden also Schwalbennester für Chinesische Gourmets produziert. Das Kilo Schwalbennest bringt tatsächlich 800 US$! 🤔
Einen wunderschönen paradiesischen Tag verbringen wir auf der Rabbit Island. Planschen im lauwarmen, klaren Meerwasser, umsäumt von einzigartigem Regenwald. Ein herrlicher tropischer Tag. Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, dass Kambodscha heute mit dem Charme von Thailand vor 30 Jahren zu vergleichen sei. Das ist ein einfacher Tourismus, ein bisschen weniger Bequemlichkeit gerade auf der Rabbit Island. Aber schön und entspannend ist es trotzdem. – Nun sind wir im Taxi während 3-4 Stunden unterwegs nach Phnom Penh.

Siem Reap – Gegensätze ziehen sich an

Siem Reap ist mit seinen kostbaren Tempeln ein riesiger Anziehungpunkt für Touristen aus aller Welt. Bereits am Morgen um fünf machen sich Tausende auf den Weg, um den Tagesanbruch beim prächtigen Angkor Wat Komplex zu bestaunen. Aber auch die anderen Tempel im Urwald strahlen etwas Mystisches aus und faszinieren uns. Als wir am Kantha Bopha Kinderspital von Dr. Beat Richner vorbeifahren, gerät unser Fahrer ins Schwärmen. Seine beiden Kinder wurden hier geboren. Dr. Richner wird von den Menschen tief verehrt, weil er durch seine Arbeit und Hingabe ein enormes Werk aufgebaut hat, das sich ganz auf die Seite der bedürftigen und armen Bevölkerung stellt. Hier gibt es kostenlose ärztliche Hilfe für alle, die das benötigen.
Was uns besonders interessiert, ist die Geschichte des Landes Kambodscha. Wir besuchen deshalb das etwas abgelegene Kriegsmuseum. Hier wird uns die Geschichte der letzten 40 Jahre drastisch vor Augen geführt: Franzosen, Chinesen, Amerikaner und der Vietcong haben hier Kriege geführt. Wracks von Kanonen, Panzern, Flugzeugen und das gesamte Waffenarsenal liegen hier vor Ort. Ein Sohn von Opfern der Roten Khmer führt und erzählt die Geschichte des Landes. Dies geht uns gewaltig unter die Haut. Quasi als Abschluss unseres Siem Reap Aufenthaltes besuchen wir die ICF-Gemeinde und freuen uns sehr über diese wachsende und dynamische Arbeit von ND und Sophal Strupler: jugendliche Khmer leiten den Gottesdienst, predigen und führen im Lobpreis. Ihre Freude, Hoffnung und Klarheit berühren uns.
Wir wohnen in einem kleinen Hotel ganz nahe an der Pubstreet und doch ist es sehr ruhig hier. Wir geniessen zwischendurch den Pool und was uns enorm gut tut sind die Khmer-Massagen, die wir in unserem Hotelbett gleichzeitig bekommen. Das ist Erfrischung für den Körper pur.
P.S. Nach dem Einchecken, gerade an der Sicherheitskontrolle, fällt Ernst auf, dass er seine Jacke im Zimmerschrank vergessen hat. Das Hotel wird rasch kontaktiert und ein freundlicher Flughafenmitarbeiter bleibt per Telefon mit dem Töfffahrer in Kontakt. Nach 3/4 Stunden ist die Jacke am Flughafen. Es hat gereicht! 👍

Bangkok – die wundersamen Erlebnisse der Vögelis

Wir planen meistens gut. Und wir bemessen die Zeit grosszügig, schliesslich sind wir nicht mehr die Jüngsten.
So auch unseren Weiterflug von Bangkok nach Siem Riep. Und weil wir uns nach 3 Tagen in Bangkok schon recht gut auskennen, nehmen wir zum internationalen Flughafen natürlich den Zug. Das ist sehr günstig.
Unser Flugzeug der Asia Air sollte um 13.30 abfliegen. Um 11.30 sind wir am Flughafen. Seltsam, auf keiner Tafel finden wir unseren Flug. Am Informationsschalter werden wir schliesslich aufgekärt, dass alle Asia Air Flüge an einem andern Flughafen starten. Am andern Ende der Stadt. Bei guten Verkehrsbedingungen eine Stunde per Taxi. Jetzt herrscht leider heavy traffic. Sorry! But try… hurry up…
Wir schicken ein Stossgebet zum Himmel und drängen uns durch die Menschenmenge Richtung Taxis. Dem ersten Taxifahrer, den wir erwischen, erklären wir kurz unsere Situation. Los gehts. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, wie geschickt, schnell und dennoch sicher dieser junge Fahrer sein Fahrzeug durch den Verkehr manöveriert. Wir schauen einander an. Ist das vielleicht ein Engel? fragen wir uns mit einem Augenzwinkern. Nach 55 Minuten sind wir am (richtigen) Flughafen. Und jetzt finden wir unseren Flug auf der Anzeigetafel. Die Abflugzeit wurde um 2 Stunden später verschoben…
Während ich diesen Bericht schreibe, macht Ernst ein Nickerchen neben mir. Wir warten aufs Boarding… und erholen uns von den wundersamen Abenteuern.

Und Bangkok? Hmmmm was soll man dazu sagen? Ein spannendes Gemisch der verschiedensten asiatischen Völker und Kulturen. Siam, Indien, China und andere. Ein Fluss, auf dem der rege Verkehr der vielen Boote einen beträchtlichen Wellengang bewirkt. Wunderschöne Tempel und Schlossanlagen, in welchen die Touristenströme, wie überall in der Welt, zu überhöhten Preisen wie Kuhherden durchgeschleust werden. Und dann natürlich das traurige Kapitel der vielen Männer aus der westlichen Welt, die sich an jungen Thaigirls vergnügen. Echt zum K…!
Doch wie überall, begegnen uns auch hier reizende Menschen. Unser Zimmermädchen, welches uns jedes Mal ein Lächeln schenkt, als würden wir uns schon lange kennen. Oder der alte Mann in Chinatown, der nach vielen Jahren aus den USA wieder in seine Heimatstadt Bangkok zurück gekehrt ist. Oder eben unser Engel, der Taxifahrer.