Jetzt kommt endlich die Campingzeit…

Endlich können wir in Apulien campieren. Darauf haben wir uns schon lange gefreut. Wir finden eine Campingplatz in Torre Rinalda und bekommen nach einigen Verhandlungen einen für uns geeigneten Stellplatz: Privates WC, Nähe zum Meer und keine Ameisenstrassen unter dem Zelt. – Und jetzt beginnt der Aufbau. Das Zelt steht ja rasch, aber das Sonnensegel, das uns den notwendigen Schatten gibt, unsere bequemen Feldbetten, der Kühlschrank und die Kochinsel aufzustellen, braucht schon ein paar Stunden. Fix und fertig steuern wir ins nächste Städtchen Casalabate und geniessen direkt am Meer ein tolles Abendessen.

Am Strand von Torre Rinalda / Apulien

Der Zeltplatz hat eine Kapazität für 1000+ Leute. Aber jetzt kurz nach der Eröffnung hat es noch massenhaft Platz. Interessant ist es die Italos zu beobachten: Einige haben hier auf grossen Feldern ihr Feriendomizil für die ganze Saison aufgeschlagen. Bereits am Eröffnungstag geht es los: Zuerst wird ein 12×10 Meter grosses Schattennetz an den Bäumen montiert. Der Nonno steht in schwindelerregender Höhe auf der Leiter und arbeitet an der brütenden Sonne. Dann werden Wohnwagen, Zelte, Markisen, Fahrräder hingestellt. Der Kühlschrank, TV, Neonröhren, Schaukelliegen etc. Alles wird bereitgestellt und die Familia bringt Leben auf den Platz.

Nun planen wir unsere Entdeckungen in der Gegend. Lecce besuchen wir an einem Regentag und leider sind die Museen und Kirchen immer noch geschlossen. Deshalb kennen wir von Lecce vorallem die Cafés, Restaurants und Gelaterias.

Der Dom von Lecce /Apulien

Langsam pendeln sich unsere Tage hier im Absatz Italiens ein. Wir geniessen morgens Coffetime mit Jesus und dann den Zmorge. Anschliessend gehts ans Meer und wir geniessen die Wärme der Sonne, das angenehme Meerwasser mit seinen sanften Wellen. Nach Zmittag und Siesta sind wir wieder fit für eine Entdeckung in der Umgebung. Ein lohnender Ausflug ist das „Valle d’Itria“ mit den Ortschaften Ostuni, die weisse Stadt und Alberobello mit dem Quartier der Trullihäuser.

Unser Ziel, der Absatz von Italiens Stiefel…

Wir ziehen wieder los und verlassen unsere erste Bleibe im schönen Poggio di Sole. Auf Richtung Süden. Über Perugiia, Assisi weiter und dann in den Osten durch den Appenin. Aber der Autobahntunnel ist gesperrt und wir fahren über einen wunderschönen Pass mit einer gewaltigen, fruchtbaren Hochebene. Das ist ein ganz spezielles, einzigartiges Italien, das wir hier kurz durchstreifen. Weiter geht es über Marcerata bis nach Martinsicuro, wo wir eigentlich unsere ersten Zelttage verbringen wollen. Leider ist dies nicht möglich, weil sie jetzt dran sind die Coronaregeln umzusetzen. Das braucht Zeit. Hier wird mir richtig bewusst, dass Italien einen sehr strengen Lockdown hatte und solche Arbeiten nicht früher durchgeführt werden konnten. Also suchen wir uns ein Hotel und fahren am anderen Tag weiter bis nach Manfredonia auf Gargano. (Habe nicht gewusst, dass der Sporn Italiens einen so schönen Namen hat.) Es ist Freitag und heute Abend ist die ganze Stadt auf den Beinen. Jung und Alt schlendert in dieser schönen Stadt am Meer durch die belebten Gassen. Dies ist das erste Aufatmen nach der grossen Coronakrise, welche Italien erfasst hatte.

Montepulciano und Siena

《Ernst, steh rasch auf, eine Nachtigall singt!》 Mit diesen Worten reisst mich Martha um 01.15 Uhr aus dem Schlaf. Tatsächlich hören wir den schönsten Vogelgesang aus unserer nächsten Umgebung. Doch nun schön der Reihe nach: Weil das Wetter hier immer noch sehr wechselhaft ist, machten wir gestern einen Ausflug nach Montepulciano. Sonnige Weinberge, soweit das Auge reicht. Auch Ruedi Bindella produziert hier seinen ‚Vino Nobile‘, wie der Montepulcianowein aus der Gegend hier genannt wird. Beim googeln habe ich erkannt, dass es zwei Montepulciano in Italien gibt. Das andere liegt in den Abruzzen und verkauft eben auch erfolgreic seinen Wein. Aber obacht: nur der aus der Toskana ist der echte ‚Vino Nobile‘.

Etwas komisch ist es schon in dieser „Nach Corona Zeit“. Die Städte sind leer. Viele Geschäfte öffnen gar nicht und in den Restaurants passiert es immer wieder, dass wir ganz alleine etwas essen. Aber, das lohnt sich. Die Italienische Küche ist super und wir geniessen jeden einzelnen Tag.

Der Ausflug vom 10. Juni führt uns in die einzigartige Stadt Siena. Schon von weitem grüssen die Türme und Dachsilouetten dieser Stadt auf dem Berg. Ja, die vielen Städte auf den Bergspitzen hier in der Toskana rufen uns immer wieder das biblische Bild von Jesus in den Sinn: „Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben.“ (Matthäus 5,14) – Was hat diese einzigartige Stadt voller Kunstdenkmäler alles schon erlebt? Menschen aus allen Völkern und Nationen besuchten sie. Doch jetzt sind bloss wenige Leute hier und alles verläuft entspannt und ruhig. Sonnenschein und heftige Gewitter wechseln sich heute ab. Die Strassen bleiben leer und die Stadt bekommt ihre Atempause. Dies alles geht mir durch meine Gedanken.

Lago Trasimeno

Leider ist das Wetter immer noch sehr unstabil. Wie geht es jetzt weiter? Wir entscheiden uns nach unserer gemeinsamen Jesuszeit weiter in den Süden zu ziehen. Damit wir nicht wieder eine so lange Reise wie Gestern machen müssen, planen wir einen Aufenthalt am Lago Trasimeno. Ja, richtig, das ist dort wo die zweiten Punischen Kriege zwischen Hannibal mit den Elefanten und den Römern stattfanden. Eine wundervolle Gegend erwartet uns. Im BnB Poggio del Sole werden wir herzlich, aber mit Maske und gebührendem Coronaabstand begrüsst. Eine herrliche Gegend, hier am See und mit Ausblick auf die umliegenden Hügel und die zu erkundenden Städte dieser Gegend. Wo werden wir hingehen? Siena, Assisi, Montepulciano, Perugia… We will see.

Eine super Erfahrung mit unserem Auto: Wir haben wieder einmal so richtig Gottes Führung und Timing erlebt. Kurz vor Florenz auf der Autobahn hören wir ein unheimliches Geräusch an unserem Auto. So bald wie möglich fahren wir raus und sehen uns den Schaden an. Vorne unter dem Auto hängt der Gummiuntetbodenschutz auf der ganzen Breite runter und kratzt auf der Fahrbahn. Wie weiter? Wir suchen den nächsten VW Händler und der ist tatsächlich bloss etwa 20 Minuten von hier. Wir kommen dort an um 12.45 und sind gespannt, ob alle Mitarbeiter im Mittag sind. Nein, sie arbeiten bis 13 Uhr und sind bereit die Arbeit innerhalb von 15 Minuten zu erledigen. Danach müssen wir nicht mal etwas bezahlen. Wie toll ist das denn? Einfach super. Danke Jesus für diese Hilfe.

Die Grenzen sind wieder offen…

Es kam überraschend und doch nicht ganz unerwartet. Die Grenzen zu Italien sind wieder offen. Also machen wir uns am Sonntag, 7. Juni auf den Weg in den Süden. Wir packen unser Zelt und alle Habseligkeiten ins Auto und fahren um 5.30 Uhr ab durch den Gubrist Richtung Axenstrasse und Gotthard. Sehr wenige Autos sind unterwegs. Und im Tessin giesst es aus Kübeln. Was erwartet uns denn nun? Der Zoll in Chiasso scheint ausgestorben. Niemand kümmert sich um uns, weder Schweizer- noch die Italienischen Zöllner wollen etwas mit uns zu tun haben. Also los gehts! Wir fahren ohne Halt über Bologna nach Süden. Auf den Appeninenpässen suchen wir unser erstes BnB in Castiglione del Pepoli. Als wir den Besitzer unseren Namen sagen hören, wissen wir, dies ist einausgewanderter Schweizer, der uns hier voller Freude seine Hand entgegenstreckt. (So gar nicht Coronalike!)

Leider hatte er in „unserem“ Zimmer einen Wasserrohrbruch und muss uns zu einem Kollegen verfrachten, der uns gut aufnimmt. Wir geniessen diese ländliche Abgeschiedenheit in den Bergen der Emilia Romangna. Ein herrlicher Einstieg in unsere Reise.

Abendessen genossen wir im Restaurant Salvi. Es ist schon etwas komisch, wenn man mit Maske bedient wird und einziger Gast im Restaurant ist. Aber es hat sich gelohnt. Hoer assen wir die kleinsten Tortelloni Italiens und haben uns echt gefragt, wie kann man so kleine Teigwaren mit Fleisch füllen? Dazu gab es Mistkratzerli mit Bratkartoffeln und Salat. Auch der Hauswein war sehr gut.