Und weiter geht es nach Paligiano

Ja, Google zeichnet unseren Weg auf seiner Map so deutlich auf:

Wir verlassen Torre Rinalda und fahren rüber nach Paligiano am Golf von Tarent. Unser erster Stop ist die Weinkellerei Cantina di San Marzano di Giuseppe. Hier wird der einzigartige Primitivo Sessantanni produziert. Leider ist der Verkaufsraum nicht wirklich toll. Da könnten sie echt mehr draus machen. Aber trotzdem, es ist spannend die Gegend und die Produktionsstätte dieses einmaligen Primitivo zu besuchen.

Unterwegs halten wir in einem kleinen Städtchen Grotaglie, welches so reizvoll daher kommt. Wunderschöne Gässchen, welche nicht auf den modernen Verkehr vorbereitet sind. Diese morbiden Fassaden haben das gewisse Etwas, welches uns einfach gefällt.

Unser nächster Halt ist die „Stadt auf dem Berg“: Massafra. Bekannt ist dieses „Jerusalem Italiens“, wegen der Wohnhöhlen und der über 50 Grottenkirchen mit sehr schönen, gut erhaltenen Malereien. Weshalb sind diese hier? Im 8. und 9. Jahrhundert flohen Mönche aus Kleinasien in diese Gegend, weil es in dieser Zeit bilderfeindliche Gesetze gab und die Ikonenmalerei verboten wurde. Leider konnten wir wegen der Corona Pandemie, weder die Höhlen, noch die Kirchen besuchen. Die Stadt auf den Hügeln mit prächtiger Aussicht auf Tarent wird wegen ihres Aussehens aus der Ferne gerne das Jerusalem Italiens bezeichnet.

Schädlinge: Werden Apuliens Olivenbäume endlich gerettet? – WELT

Sobald wir hier nach Apulien kamen, fiel uns auf, dass massenweise die Olivebäume abgestorben sind. Riesige alte Bäume sind tot und werden jetzt radikal zurückgeschnitten. – Ob das helfen wird? Hier gibt es mehr zu diesem Bakterium, welches seit ein paar Jahren hier wütet. ARTIKEL OLIVENBAUMKRANKHEIT.

Jetzt kommt endlich die Campingzeit…

Endlich können wir in Apulien campieren. Darauf haben wir uns schon lange gefreut. Wir finden eine Campingplatz in Torre Rinalda und bekommen nach einigen Verhandlungen einen für uns geeigneten Stellplatz: Privates WC, Nähe zum Meer und keine Ameisenstrassen unter dem Zelt. – Und jetzt beginnt der Aufbau. Das Zelt steht ja rasch, aber das Sonnensegel, das uns den notwendigen Schatten gibt, unsere bequemen Feldbetten, der Kühlschrank und die Kochinsel aufzustellen, braucht schon ein paar Stunden. Fix und fertig steuern wir ins nächste Städtchen Casalabate und geniessen direkt am Meer ein tolles Abendessen.

Am Strand von Torre Rinalda / Apulien

Der Zeltplatz hat eine Kapazität für 1000+ Leute. Aber jetzt kurz nach der Eröffnung hat es noch massenhaft Platz. Interessant ist es die Italos zu beobachten: Einige haben hier auf grossen Feldern ihr Feriendomizil für die ganze Saison aufgeschlagen. Bereits am Eröffnungstag geht es los: Zuerst wird ein 12×10 Meter grosses Schattennetz an den Bäumen montiert. Der Nonno steht in schwindelerregender Höhe auf der Leiter und arbeitet an der brütenden Sonne. Dann werden Wohnwagen, Zelte, Markisen, Fahrräder hingestellt. Der Kühlschrank, TV, Neonröhren, Schaukelliegen etc. Alles wird bereitgestellt und die Familia bringt Leben auf den Platz.

Nun planen wir unsere Entdeckungen in der Gegend. Lecce besuchen wir an einem Regentag und leider sind die Museen und Kirchen immer noch geschlossen. Deshalb kennen wir von Lecce vorallem die Cafés, Restaurants und Gelaterias.

Der Dom von Lecce /Apulien

Langsam pendeln sich unsere Tage hier im Absatz Italiens ein. Wir geniessen morgens Coffetime mit Jesus und dann den Zmorge. Anschliessend gehts ans Meer und wir geniessen die Wärme der Sonne, das angenehme Meerwasser mit seinen sanften Wellen. Nach Zmittag und Siesta sind wir wieder fit für eine Entdeckung in der Umgebung. Ein lohnender Ausflug ist das „Valle d’Itria“ mit den Ortschaften Ostuni, die weisse Stadt und Alberobello mit dem Quartier der Trullihäuser.

Unser Ziel, der Absatz von Italiens Stiefel…

Wir ziehen wieder los und verlassen unsere erste Bleibe im schönen Poggio di Sole. Auf Richtung Süden. Über Perugiia, Assisi weiter und dann in den Osten durch den Appenin. Aber der Autobahntunnel ist gesperrt und wir fahren über einen wunderschönen Pass mit einer gewaltigen, fruchtbaren Hochebene. Das ist ein ganz spezielles, einzigartiges Italien, das wir hier kurz durchstreifen. Weiter geht es über Marcerata bis nach Martinsicuro, wo wir eigentlich unsere ersten Zelttage verbringen wollen. Leider ist dies nicht möglich, weil sie jetzt dran sind die Coronaregeln umzusetzen. Das braucht Zeit. Hier wird mir richtig bewusst, dass Italien einen sehr strengen Lockdown hatte und solche Arbeiten nicht früher durchgeführt werden konnten. Also suchen wir uns ein Hotel und fahren am anderen Tag weiter bis nach Manfredonia auf Gargano. (Habe nicht gewusst, dass der Sporn Italiens einen so schönen Namen hat.) Es ist Freitag und heute Abend ist die ganze Stadt auf den Beinen. Jung und Alt schlendert in dieser schönen Stadt am Meer durch die belebten Gassen. Dies ist das erste Aufatmen nach der grossen Coronakrise, welche Italien erfasst hatte.

Montepulciano und Siena

《Ernst, steh rasch auf, eine Nachtigall singt!》 Mit diesen Worten reisst mich Martha um 01.15 Uhr aus dem Schlaf. Tatsächlich hören wir den schönsten Vogelgesang aus unserer nächsten Umgebung. Doch nun schön der Reihe nach: Weil das Wetter hier immer noch sehr wechselhaft ist, machten wir gestern einen Ausflug nach Montepulciano. Sonnige Weinberge, soweit das Auge reicht. Auch Ruedi Bindella produziert hier seinen ‚Vino Nobile‘, wie der Montepulcianowein aus der Gegend hier genannt wird. Beim googeln habe ich erkannt, dass es zwei Montepulciano in Italien gibt. Das andere liegt in den Abruzzen und verkauft eben auch erfolgreic seinen Wein. Aber obacht: nur der aus der Toskana ist der echte ‚Vino Nobile‘.

Etwas komisch ist es schon in dieser „Nach Corona Zeit“. Die Städte sind leer. Viele Geschäfte öffnen gar nicht und in den Restaurants passiert es immer wieder, dass wir ganz alleine etwas essen. Aber, das lohnt sich. Die Italienische Küche ist super und wir geniessen jeden einzelnen Tag.

Der Ausflug vom 10. Juni führt uns in die einzigartige Stadt Siena. Schon von weitem grüssen die Türme und Dachsilouetten dieser Stadt auf dem Berg. Ja, die vielen Städte auf den Bergspitzen hier in der Toskana rufen uns immer wieder das biblische Bild von Jesus in den Sinn: „Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben.“ (Matthäus 5,14) – Was hat diese einzigartige Stadt voller Kunstdenkmäler alles schon erlebt? Menschen aus allen Völkern und Nationen besuchten sie. Doch jetzt sind bloss wenige Leute hier und alles verläuft entspannt und ruhig. Sonnenschein und heftige Gewitter wechseln sich heute ab. Die Strassen bleiben leer und die Stadt bekommt ihre Atempause. Dies alles geht mir durch meine Gedanken.