Entspannt packen wir am Samstagmorgen unsere Sachen und fahren nach feinem Zmorge gemütlich los in die Ferien. Es geht durchs Zürcher Oberland, dem Walensee entlang nach Landquart. Ich wünsche mir ein Overshirt-Schnäppchen und werde tatsächlich bei Tommy fündig.

Nach einem kurzen Mittagessen fahren wir weiter über Reichenau (wo meine mütterlichen Wurzeln sind) über Thusis, den Julier ins Engadin. Bald kommen wir in Bever an und staunen über die beeindruckenden „Palazzi“ der früheren Engadiner Patrizier.








Am Sonntag wollen wir uns etwas einlaufen und fahren mit der Bahn nach Spinas (direkt vor dem Albulatunnel Südportal). Hier gehts los zu Fuss ins Val Bever. Wie prächtig ist die Landschaft hier. Der Arvenduft erfüllt unsere Umgebung und der Wildbach Beverin plätschert und tost eindrücklich neben uns.




Der Beverin ist der erste Fluss der Schweiz, der als Gewässerperle PLUS ausgezeichnet wurde. Und zwar deshalb, weil der 13,5 Kilometer lange Bachlauf vom Menschen noch weitgehend unbeeinträchtigt ist. Durch seine Lage inmitten von wertvollen Flachmooren dient er damit vielen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum. (WWF Schweiz)
Nach einem Nickerchen am Bach wandern wir zurück nach Spinas und dann weiter talabwärts, dem Märliweg folgend bis nach Bever zu unserem Feriendomizil „Chesa Rossa“.

Auf zur Diavolezza!
Am Montag ist unser Plan, frühmorgens mit der ersten Bahn hoch auf die Diavolezza zu fahren. Los gehts um 8 Uhr, schon bald haben wir dank der Gondelbahn 1000 Höhenmeter überwunden. Im Restaurant ist alles bereit für einen Zmorge mit prächtiger Aussicht auf Piz Palü, Bellavista und Piz Bernina (den einzigen 4000er der Ostalpen). Bei wunderschönem Wetter gehts nochmal hoch, so dass wir schliesslich gut 3000m über Meer erreichen. Ich spüre die Höhe hier, und sie macht mir zu schaffen. Aber es ist ein Erlebnis, nach meiner Herz OP vor einem Jahr, hier oben auf 3066m zu stehen.



Am Nachmittag machen wir einen kurzen Abstecher mit dem Zug nach St. Moritz. Echli lädele… und dann auf der Terrasse etwas trinken und das liebliche Wetter bei 26°C geniessen. Wir können es uns nur schwer vorstellen, dass es zuhause in Schwerzenbach gerade 10°C heisser ist als hier. Als wir uns wieder auf den Weg ins Tal machen, sehen wir schwere Gewitterwolken näher kommen. Beim Aussteigen aus dem Bus seicht es in Strömen. Als ich gegenüber der Haltestelle im Volg noch etwas einkaufe, wird mir grosszügigerweise ein Schirm ausgeliehen.
Heute ist Tirano unser Ziel
Wiederum begrüsst uns am Dienstag ein strahlender Tag. Die norditalienische Stadt Tirano lockt uns heute. Schon ziemlich früh sitzen wir auf unseren reservierten Plätzen im Bernina Express. Wie entspannt ist dieses Fahren und Geniessen im bequemen Zug! Rasch sind wir oben auf dem Berninapass auf 2200m über Meer und schon gehts gemächlich hinunter ins Tal, über Alp Grüm nach Poschiavo. Zwei Nachbarinnen fachsimpeln miteinander, wie man das jetzt ausspricht: Poschiavo hat ja ein s-c-h also wie das deutsche Sch bei Schuhe oder doch nicht? Italienisch scheint eine komplizierte Sprache zu sein…
Ein spezieller Moment dieser Reise ist das Kreisviadukt bei Brusio. Ein einmaliges Bauwerk:
In Tirano ist es deutlich wärmer als in Bever. Hier klettert das Thermometer über 30°C. Es wird uns jetzt bewusst, wie sehr die Leute zuhause und im Grossraum der Städte im Norden der Schweiz leiden. Zuhause herrschen schon die ganze Woche Höchsttemperaturen, wie wir es noch nie erlebt haben.
Wir gehen die paar Minuten zügig los in die Altstadt Tiranos. Ja, wir sind in Italien und atmen ein diese wohltuende Kultur. Wir verbringen hier nicht viel Zeit. Überqueren den Fluss Adda und schlüpfen durch das Stadttor.



Bald erreichen wir den Palazzo Salis. Wir sind beeindruckt vom Prunk dieser Gebäude und des einmaligen Gartens. Was in den Räumen an Decken und Wänden aussieht wie Baukunst, sind in Wahrheit bloss geniale Malereien. In einem Saal sind jeweils links und rechts von Türen und Fenster Vorhänge, die herunterhängen. Es sieht wirklich wie Stoff aus, so kunstvoll ist das gemalt.






Bald geht es wieder Richtung Berninapass, doch wir steigen in Poschiavo kurz aus und kehren ein in dieser bedeutenden Stadt der einstigen Zuckerbäcker. Die Einzigartigkeit dieses Ortes lebt von den ausgewanderten Puschlavern, welche in Frankreich und Spanien fleissig arbeiteten und mehrere ‚Café Suizo‚ gründeten. Immer wieder kehrten sie über Generationen zurück in ihre Stadt der Herkunft und bauten prächtige Palazzi, welche diese Alpenstadt nachhaltig veränderten. Dazu gibt es auch eine sehenswerte Ausstellung. Was für ein toller Ausflug war dies heute mit fünf Stunden Fahrt im Bernina Express.
Die Alp Languard
ist am Mittwoch unser Ziel. Nach einem feinen Zmorge mit Alpkäse aus der Region ziehen wir wieder mit Wanderausrüstung los richtung Pontresina. Hier gehts hoch mit dem Sessellift auf die Alp Languard. Von dort sanft aufwärts zum Languardsee. Unterwegs hören wir immer wieder die Mungge (Murmeltiere), mit ihren lauten Warnpfiffen.

Je näher wir dem See so gegen die Mittagszeit kommen, fragen wir uns, ob wir wohl ein Schattenplätzli finden könnten. Martha erledigt dies mit einem Stossgebet: „Herr, wir bitten dich um ein angenehmes Schattenplätzli“- Da wir uns deutlich über der Baumgrenze befinden, muss sich der Herr aber etwas Besonderes ausdenken… Als wir beim See ankommen und ein wohliges Rastplätzli gefunden haben, legen wir unsere Jacken auf den Boden und lagern uns. Nun packen wir unser Mittagessen aus den Rucksäcken und fangen an mit Essen. Was ist denn jetzt los? Wir sitzen herrlich am Schatten. Über uns eine Wolke, die uns Schatten spendet. – „Danke du gütiger Gott, das ist jetzt wirklich eine tolle Überraschung!“





Bald steigen wir wieder ab Richtung Alp Languard und freuen uns auf unsere Ferienwohnung. Wir müssen dringend einen Mittagsschlaf machen, damit wir dann beim Schweizer Fussballspiel gegen Kanada nicht einschlafen.
Lägh da Cavloc
Am Donnrrstag freuen wir uns auf eine angenehme Wanderung zum Lägh Cavloc. Wir fahren los auf den Malojapass und dann gleich zum Parkplatz Orden. Ab dort ist es eine einstündige Wanderung zum Restaurant Cavloccio. Wir geniessen die wunderschöne Aussicht auf den See und die Berge. Dazu freuen wir uns über Polenta mit Pilzen und Hirschschnitzel. Nach dem Essen sind wir gestärkt für einen nächsten Wackel in Richtung Orlegnatal. Lustig ist die Ziegenfamilie, die sich unter Bäumen und Felsen lagert.





Danach umrunden wir den See und verabschieden uns wieder Talabwärts nach Hause.
Unsere Koffer sind gepackt. Die Ferienwohnung ist aufgeräumt und bald gehts wieder los nach Hause, wo uns die letzten Hitzetage erwarten.
